IHR MüßT ZUERST AN UNS VORBEI!

Beitraege

Mein Besuch ist 25 Jahre alt, weiblich, Filmstudentin und kommt aus Texas. Wir unterhalten uns über Politik, sie entschuldigt sich für ihre Regierung, “deren Kriege den ganzen Nahen Osten destabilisiert haben”.

Es ist ein saukalter, regnerischer Tag. Trotzdem zeige ich ihr die mittelalterliche Burg, die malerische Innenstadt und zum Schluß das Münster, ein beeindruckender Backsteinbau, der höchste seiner Art weltweit. Die Anfänge dieser Kirche gehen bis ins Jahr 1204 zurück.

“Wollen wir reingehen?” frage ich sie auf English. “Oh yeah, that would be great”.

Wir betreten die Kirche. Dank der Witterung und der etwas späteren Stunde sind wir die einzigen Besucher. Das majestätische Kirchenschiff mit seinen immensen Abmessungen liegt im Halbdunkel. Mein Besuch steht da, starrt auf das riesige Kreuz in luftiger Höhe, auf die gewaltigen Pfeiler. Absolute Stille umgibt uns. Mein Besuch ist vom Donner gerührt. Der Anblick erschlägt sie förmlich, das sehe ich ihr an. In Texas gibt es sowas nicht, nicht einmal ansatzweise. Auf das, was sie hier sieht, hat sie niemand vorbereitet. Mit großen Augen wandert sie herum, leise, wagt es kaum zu flüstern. Ich ermuntere sie, mit ihrem Handy Fotos zu machen. Ob das erlaubt sei, will sie wissen. Dann fotografiert sie, ohne Blitz. Als ich sie darauf anspreche meint sie, es ginge ihr nur um die Erinnerung, nicht um die Qualität der Fotos. Dann geht sie auf den Seitenaltar zu und zündet eine Kerze an. Ich sehe an ihrem Gesicht, dass sie kurz davor ist, zu weinen. Die Majestät dieses Bauwerks hat sie völlig aus der Fassung gebracht.

Ich war schon sehr oft hier, ich kenne diese Kirche seit meiner Kindheit. Obwohl ich jedesmal beeindruckt bin, wenn ich sie betrete, habe ich sie heute nochmal mit ganz anderen Augen gesehen, mit den Augen meines Gastes. Ich konnte die Erhabenheit dieses Bauwerks spüren, sie hat mich tief berührt. Ich spürte 1000 Jahre christlich-abendländische Kultur, ich konnte fühlen, dass ich ein Teil davon bin, dass ich in diese Kirche gehöre und sie Bestandteil meiner Identität ist und Bestandteil der Identität jener, die vor mir waren. Hunderte von Generationen haben hier gebetet, wurden hier getauft und beerdigt. Hier ist ein Hauch der Ewigkeit zu spüren.

Und dann wird mir plötzlich bewußt, dass dieses steinerne Zeugnis der christlichen Kultur, beinahe 1000 Jahre alt, in Gefahr ist. Es kommen Menschen aus einem Kulturkreis zu uns, in dem Kirchen zu Moscheen werden und wo man Kulturdenkmäler sprengt.

Ein eisiges Gefühl umklammert mein Herz. Nicht nur von außen, auch von innen ist unsere Kultur bedroht. Kruzifixe werden abgehängt und Gutmenschen bereiten nach besten Kräften den Boden für eine Ausbreitung des Islams. Plötzlich spüre ich eine bittere Entschlossenheit in mir.

Ich stehe hier für die, die diese Kirche gebaut haben. Ich stehe hier für alle, die hier gebetet haben und schon viele Jahre und Jahrhunderte tot sind. Ich bin der, der jetzt die Verwantwortung dafür trägt, dass in 500 Jahren, diejenigen, die nach mir kommen auch noch hier beten können. Und wer Hand an diese Kirche, an dieses Zeugnis unserer Hochkultur legt, der muß an mir vorbei und an jenen, die mir zur Seite stehen und denen ich zur Seite stehe!

 

Kirchenschiff