WIE DER FOCUS VERSUCHT, EINE WAHRHEIT ZU EINER “HALBWAHRHEIT” ZU MACHEN Ist die Nachricht nicht zu widerlegen, dann greife die Quelle an

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Von EUGEN PRINZ | “Die Grünen werden mit in der Regierung sein und ihr werdet kotzen!” Zu dieser Aussage hatte sich einem Bericht des lokalen Blogs “Patriotenpost” zufolge Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am 14. August bei einer hitzigen Diskussion mit einem Bürger an einem Infostand der CDU hinreißen lassen (zuwanderung.net berichtete).

Tja, Wahlkampf ist Stress pur und wir sind alle nur Menschen, selbst der Ministerpräsident der wackeren Sachsen. Da kann es schon mal sein, dass der bei den Politikern vorgeschaltete Blabla-Generator, der in Echtzeit Klartext in Politikersprech umwandelt, mal eine Auszeit nimmt und etwas “herausrutscht”, was man besser für sich behalten hätte.

Dumm ist nur, wenn das jemand hört, der das unglückliche Statement verbreitet und außerdem bereit ist, dessen Richtigkeit eidesstattlich zu versichern. Noch dümmer ist, wenn es eine zweite Person auch noch gehört hat.

Kretschmer setzt auf die Grünen

Jetzt weiß also jeder, dass die Grünen nach der Landtagswahl in Sachsen  mitregieren werden, komme was da wolle. Das steht für Kretschmer fest, anders ist seine Aussage nicht zu interpretieren. Und angesichts der Beweislage lässt man sich hier lieber nicht auf ein Dementi ein, nicht wahr, Herr Ministerpräsident? Hinterher der Lüge überführt zu werden, das wäre noch schlimmer.

Was tut man dann in so einem Fall? Am besten, man schweigt. Dumm nur, dass die böse AfD, allen voran deren Spitzenkandidat Jörg Urban, diesen Fauxpas des Ministerpräsidenten genüsslich für seinen Wahlkampf ausschlachtet. Das Totschweigen klappt also nicht so ganz.

Aber vielleicht finden ja die Hausmedien eine Lösung für das leidige Problem. Zum Beispiel der  FOCUS, denn seit Helmut Markwort weg ist, nimmt man es dort auch nicht mehr ganz so genau mit “Fakten, Fakten, Fakten”.

Das Problem ist, auch der FOCUS kann Kretschmers Aussage nicht wegzaubern. Aber wenn man schon die Aussage nicht widerlegen kann, dann muss man eben in einer unheiligen Allianz mit der CDU die Quelle madig machen. Das sieht dann so aus:

Ein Sprecher von Ministerpräsident Kretschmer reagiert gegenüber FOCUS Online auf die Anschuldigungen, die der AfD-Chef über die sozialen Medien verbreitet: „Herr Urban, Herr Wippel (AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen, Anm. d. Red.) und andere stützen sich auf die Behauptung eines als vom Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuften Herren.“

Mehr teilt der Sprecher dazu nicht mit.

Der letzte Satz ist es allerdings wert, ihn sich nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen:

“Mehr teilte der Sprecher dazu nicht mit.”

Er hat also nicht gesagt, dass der Zeuge lügt? Kein Dementi?
Aber dafür erfahren wir, dass der Mitteiler vom Verfassungsschutz als Rechtsextremer eingestuft wird. Sorry, aber das ist uns bereits bekannt und wir haben auch ausführlich darüber berichtet.

Aber ist deshalb alles, was dieser Mann sagt, automatisch falsch oder pfui? Was ist, wenn er sich zu der Behauptung versteigt, der Schnee wäre weiß? Ist er dann aus politischer Korrektheit ab sofort schwarz? Wohl nicht.

Dem FOCUS gebührt Dank!

Vielen Dank, liebe Redakteure vom FOCUS! Mit eurem Artikel hat endlich ein großes Mainstream Medium das Thema aufgegriffen, noch dazu in der entscheidenden Phase des Wahlkampfes. Dank dem von euch veröffentlichten Statement des Sprechers von Ministerpräsident Kretschmer, weiß jetzt ganz Sachsen, dass dieser die verhängnisvollen Worte tatsächlich ausgesprochen hat:

“Die Grünen werden mit in der Regierung sein und ihr werdet kotzen!”

Die Bürger im Freistaat werden das am Sonntag an der Wahlurne zu würdigen wissen.  Jedenfalls jene, die nicht wollen, dass es in Sachsen so wird wie in NRW, Berlin oder Bremen.


Eugen Prinz im Mai 2019 auf dem Kongress der Neuen Medien in Berlin.

Eugen Prinz kommt aus Bayern und schreibt seit Herbst 2017 unter diesem Pseudonym für PI-NEWS und den Blog zuwanderung.net. Der Fachbuchautor und Journalist ist dem traditionellen bürgerlichen Konservatismus zuzurechnen. Dem politischen Journalismus widmet er sich, entsetzt über die chaotische Massenzuwanderung, seit 2015. Erreichbar ist Eugen Prinz über seine Facebook-Seite oder Twitter.